AKTION SEMESTERZEITEN                                                                                          Beginn der Aktion: 12. Oktober 2008

 

Aufruf gegen die Verschiebung

der Semesterzeiten in

Deutschland

 
 

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Auf Betreiben der Hochschulrektoren­konferenz (HRK) sollen die Semesterzeiten an deutschen Hoch­schulen von 2011 an vorverlegt werden (vgl. Pressemitteilung vom 4. Mai 2007). Das neue Herbst­semester soll Anfang Sep­tem­ber statt Mitte Oktober beginnen, das Sommersemester Anfang März statt Mitte April. Die HRK verfolgt damit nach eigenen Worten das Ziel, durch Anpassung der Semestertaktung an die Mehrzahl der Nachbar­länder einen Beitrag zur europäischen „Harmonisierung“ zu leisten. Nach ihren Angaben werde dadurch die Mobilität auf internationaler Ebene erleichtert. Stu­dierenden, die aus dem Ausland kommen oder ins Ausland gehen wollen, habe das späte deutsche Semester bisher den Wechsel erschwert.

 

Allerdings nennt die HRK keine Zahlen, um die Dringlichkeit einer so weit reichenden Initiative zu untermauern. Angesichts der vielen hochschul­planerischen Maßnahmen der letzten Jahre, die auf schwankender Grundlage beschlossen wurden und ihr Ziel nicht immer erreicht haben, hätte dies eigentlich selbstverständlich sein müssen. Es ist anzunehmen, dass bei flexibler Handhabung der derzeit geltenden Regelungen die Anzahl von tatsächlichen „Härtefällen“, die bei einem Hochschul­wechsel innerhalb Europas entstehen, gering ist.

 

Zudem wurde die Initiative der HRK (einmal mehr) ohne Konsultation der betroffenen Hoch­schul­­lehrer beschlossen, die diese Umstellung am Ende werden organisieren müssen.

 

Die Unterzeichner dieses Aufrufs weisen auf zwei gravierende Folgen hin, die eine Vorver­legung der Semesterzeiten haben würde:

 

1)  In einigen Bundesländern würde dadurch die Bewerbungsfrist von Schulabgängern so ver­knappt, dass sie sich mitten in den Vorbereitungen zum Abitur auf der Grundlage ihres letzten Halbjahreszeugnisses um einen Studienplatz kümmern müssten. Dies käme einer schleichenden Entwertung des Abiturs gleich und wäre angesichts der Be­deutung der Studienplatzwahl kaum zu­mut­bar. Auch die hochschuleigenen Zulassungsverfahren würden dadurch unter zusätzlichen Zeitdruck geraten.

 

2) Die Angleichung der deutschen Semestertaktung würde den Länder übergreifenden Austausch zwischen Forschern nicht fördern, sondern erschweren. Für die Internatio­na­lisierung der deut­schen Hochschulen ist es bisher gerade von Vorteil, dass der akademische Kalender in Deutsch­land gegenüber anderen Ländern zeitversetzt ist. Dadurch entstehen im Frühjahr und Herbst Korridore von mehreren Wochen, die sich ideal für die Einladung von Gastwissenschaftlern eignen. So können deutsche Wissenschaftler im März und September zu Gastaufenthalten etwa in die USA, nach England oder Frankreich reisen, ohne ihre Lehrverpflichtungen zu Hause zu be­einträch­tigen. Umgekehrt kom­men Professoren und Doktoranden aus diesen Ländern vorzugs­weise im Juni oder Juli nach Deutschland, d.h. in ihrer eigenen vorlesungsfreien Zeit, halten hier Gastseminare ab oder partizipieren auf andere Weise am akademischen Leben. Auf diesem einfachen Prinzip beruht eine Vielzahl von inter­universitären Austausch­programmen, die mit großem Engagement in Gang gebracht und durch Steuergelder mit beträchtlichen Summen gefördert wurden.

 

Als Forschungsstandort würde Deutschland durch die von der HRK geforderte Änderung Schaden erleiden. Die Mobilität von Hochschullehrern und Nachwuchswissenschaftlern würde empfindlich vermindert, erfolgreiche Austauschprogramme würden behindert oder unmöglich ge­macht.

 

Die Unterzeichner dieses Aufrufs appellieren an die Hochschulrektorenkonferenz und an die Verantwortlichen in den Ländern und Universitäten, die Pläne zur Angleichung der deutschen Semesterzeiten nicht weiter zu verfolgen.

 

Beginn der Aktion: 12. Oktober 2008

 

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www.aktion-semesterzeiten.de

 

Verantwortlicher Initiator des Aufrufs:

Prof. Dr. Albrecht Koschorke

Albrecht.Koschorke[at]uni-konstanz.de

 

Fachbereich Literaturwissenschaft

Universität Konstanz

78457 Konstanz

 

Kontakt:

Nina Kück, M.A.

Nina.Kueck[at]uni-konstanz.de

 

Gestaltung:

Eddy Decembrino