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Offener Brief an die HRK
17. Februar
2009
Aus der
Pressemitteilung der HRK Hochschulrektorenkonferenz vom 28.1.2009
HRK-Mitgliederversammlung:
Vorverlegung der Semesterzeiten nach wie vor nötig
Eine mögliche Umstellung der Semesterzeiten war erneut Thema der
Mitglieder-versammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).
HRK-Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel heute vor der Presse in
Berlin:„Die Studierenden wollen im Ausland studieren können, ohne
zwangsläufig ein Semester zu verlieren. Darum hält die HRK die Anpassung
der Vorlesungszeiten an internationale Gepflogenheiten für notwendig.
Auch ausländische Studierende sollten ohne Zeitverlust bei uns studieren
können.“
Der Hochschulausschuss der Kultusministerkonferenz hat der HRK vor
wenigen Tagen seine Bedenken gegen die von HRK und KMK gemeinsam
entwickelten Vorschläge zur Umsetzung der Reform mitgeteilt.
Diese Kehrtwende stieß bei der Mitgliederversammlung auf Unverständnis
„Wir werden deshalb mit der Kultusministerkonferenz weiterverhandeln“,
sagte Wintermantel. „Wir suchen auch das Gespräch mit den
Fachgesellschaften und mit den Kritikern aus der Professorenschaft. Wir
nehmen die Probleme ernst, halten sie aber für überwindbar.
Wir sehen, dass die Kräfte der
Hochschulen derzeit weit über das Vertretbare hinaus angespannt sind und
deshalb auf die zentral wichtigen Themen konzentriert werden müssen.
Deshalb wollen wir uns Zeit lassen und nichts über’s Knie brechen. Wir
halten das Ziel aber für richtig und geben es nicht auf.“
12. Februar 2009
Sehr geehrter Herr Kollege
Koschorke,
bitte sehen Sie mir nach, dass ich Ihnen bisher nicht geantwortet habe.
Tatsächlich sind wir in der HRK dabei uns nochmals mit den Argumenten
der Befürworter und der Gegner der Verschiebung der Semesterzeiten
auseinanderzusetzen und haben in der letzten
Mitgliederversammlung Ende Januar eine erneute Aussprache hierzu gehabt.
Ich werde Ihnen demnächst den entsprechenden Protokollauszug zukommen
lassen. Wir meinen dass eine Harmonisierung der Semesterzeiten in Europa
wirklich geboten ist, damit Auslandssemester ohne Zeitverlust möglich
sind. Wir suchen also weiter nach einer
Lösung.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre
Margret Wintermantel
12. Februar 2009
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Frau Kollegin Wintermantel,
darf ich Sie nochmals an das Schreiben zur Aktion gegen die Verschiebung
der Semesterzeiten in Deutschland erinnern, das ich Ihnen vor nunmehr
drei Monaten geschickt habe und das bisher unbeantwortet geblieben ist?
Es ist eigentümlich, zwar von einigen Ministerien über den Stand der
Diskussion der HRK-Initiative unterrichtet zu werden, nicht aber von der
Hochschulrektorenkonferenz selbst, die sich doch als Fürsprecherin der
Universitäten und damit auch der Hochschulangehörigen versteht.
Mit freundlichen Grüßen, Albrecht Koschorke
10. Dezember
2008
Sehr geehrte
Frau Präsidentin,
sehr geehrte Frau Kollegin Wintermantel,
darf ich Sie freundlich an mein Schreiben vom 12. November erinnern, in
dem ich Sie über die Aktion gegen die Verschiebung der Semesterzeiten in
Deutschland unterrichtet habe?
Ich denke, die inzwischen über 2.000 Unterzeichner des Aufrufs
(aufgelistet unter www.aktion-semesterzeiten.de) haben ein berechtigtes
Interesse daran, zu erfahren, wie sich die Hochschulrektorenkonferenz zu
ihrem Votum verhält.
Mit den besten Grüßen
Albrecht Koschorke
12. November
2008
Sehr geehrte
Frau Kollegin Wintermantel,
seit dem 12. Oktober 2008 zirkuliert im Internet ein Aufruf, der sich
gegen die Pläne der Hochschulrektorenkonferenz richtet, die
Semesterzeiten in Deutschland dem europäischen Ausland anzupassen.
Dieser Aufruf, der vor allem privat weiterverbreitet wurde, stößt auf
eine überwältigende Resonanz. Innerhalb eines Monats haben sich ihm über
1800 Unterzeichner angeschlossen, darunter etwa 1200 Professorinnen und
Professoren aus Deutschland. Auch aus dem Ausland gibt es breite
Unterstützung – unter anderem aus der Schweiz, aus Österreich, England,
Frankreich, Italien, Indien, Japan, Brasilien und den USA (Harvard,
Princeton, Yale, Berkeley, Chicago u.a.). Als Initiator dieser Aktion
haben mich zahllose Zuschriften erreicht; keine einzige davon nimmt
Stellung zugunsten der Pläne der HRK.
Der Text des Aufrufs liegt diesem Brief bei. Er ist mitsamt den bisher
eingegangenen Unterschriften, Kommentaren der Unterzeichner sowie einer
Dokumentation von Presseberichten und anderen Reaktionen auf der Website
www.aktion-semesterzeiten.de einsehbar. Mehrere Fachverbände haben sich
dem Aufruf angeschlossen oder unabhängig davon ihren Protest gegen die
geplante Semesterreform geäußert.
Ich will die vorgebrachten Argumente nicht wiederholen, möchte aber
vorsorglich zwei möglichen Missverständnissen entgegenwirken.
Erstens scheint es mir wichtig zu betonen, dass es hier nicht etwa um
eine Blockade notwendiger Reformmaßnahmen durch strukturkonservative
Hochschullehrer geht. Viele der Unterzeichner sind aktiv an
grenzüberschreitenden Forschungs- und Lehrprogrammen beteiligt und
erfüllen damit genau jenen Imperativ der Internationalisierung, den auch
die HRK in ihren Beschlüssen geltend macht. Sie fürchten, dass die durch
ihr Engagement geknüpften wissenschaftlichen Kooperationen
beträchtlichen Schaden erleiden, wenn die deutschen Semesterzeiten
umgestellt werden.
Zweitens kann nicht die Rede davon sein, dass es hier um einen
Interessenkonflikt zwischen Hochschullehrern einerseits und den
Studierenden in ihrer Gesamtheit andererseits gehe. Auch Studierende
profitieren von den zahlreichen transnationalen Forschungs- und
Lehrkooperationen, die durch die geplante Semesterreform bedroht sind.
Zudem gibt es eine Reihe von weiteren Gründen dafür, dass eine
Vorverlegung des Semesters sowohl Studierenden als auch Schulabgängern
Nachteile bereitet.
Die Hochschulrektorenkonferenz wirbt damit, die Stimme der Hochschulen
gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu sein, und will ein Forum für den
gemeinsamen Meinungsbildungsprozess der Hochschulen bieten. Das
einhellige Votum von Forschern im In- und Ausland wird und kann Ihnen
deshalb nicht gleichgültig sein.
Ich darf wohl im Namen der Unterzeichner des Aufrufs sprechen, wenn ich
eindringlich an Sie appelliere, von Ihrem bisherigen Beschluss Abstand
zu nehmen und Ihre Planungen zur Verschiebung der Semesterzeiten
aufzugeben.
Dieser Brief wird nach einer entsprechenden Frist als Offener Brief auf
der genannten Website publiziert werden. Ich würde mich freuen, dort
auch Ihre Antwort veröffentlichen zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen
Prof.
Albrecht Koschorke
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